Gallo Pinto – Das Essen Nicaraguas hab` ich satt!
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Gallo Pinto
Gallo Pinto - kennt man dieses Nationalgericht, hat man wahrscheinlich schon mal den wichtigsten kulinarischen Brocken Nicaraguas geschluckt. So manches Nachbarland schließt sich an, aber nirgends sonst bildet dieses Gericht einen solch hohen Stellenwert. Natürlich gibt es mehr zu kosten als "nur" Gallo Pinto - aber auch der Rest des Essens lässt mir beim Gedanken daran nicht gerade das Wasser im Mund zusammen laufen. Im Gegensatz zu den ungewürzten Speisen wird mein Beitrag allerdings leicht scharf - sorry, Nicaragua! I

Ein Monat Reis mit Bohnen.

Mehr als einen Monat war das ungewürzte Nationalgericht mein Begleiter, mit den anderen Top`s, die ihr euch gleich allesamt virtuell schmecken lassen dürft. Oh nein, das Alles soll nicht respektlos sein. Ich liebe Nicaragua, seine Menschen, Vulkane und Traditionen. Das Essen jedoch...das vermisse ich nicht "die Bohne". Das etwas "nicht schmeckt", bekommt hier seine direkte, eigentliche Bedeutung wieder. Also nicht im Sinne von "schlecht schmecken" - nein, nein. Es schmeckt gar nicht schlecht - es schmeckt halt einfach nur nach Nichts. Ein weitere Adjektiv, das eine riesen Rolle spielt könnte "trocken" sein. Die "Soße" die es überall dabei gibt ist eine sehr sehr scharfe Brühe mit Zwiebeln. Sie ist wässrig und mit ihr setzt man seinen Teller unter scharfes Wasser.

Im Folgenden erfahrt ihr alles über die Nationalgerichte ; und wer weiß - vielleicht gewinnt es ja euer Herz? Am Ende gibt es aber doch Entwarnung und ich erzähle euch, wie Gallo Pinto und ich trotzdem Freunde wurden.

Die Grundnahrungsmittel in Nicaragua.

Gallo Pinto

Quasi die Ernährungpyramide Nicaraguas ;-)



Alles Gallo Pinto?!

Nein, nicht alles...
Hauptsächlich auf den Tellern : Gallo Pinto, Mais- Produkte, Bananen und Käse. Ich hatte das Vergnügen mit mindestens einer dieser Gaumenfreuden zu jedem Essen, aus Mangel an Alternativen und der fehlenden Bereitschaft, die ganze Zeit Hähnchen zu essen. Wer irgendetwas "Füllendes" braucht, nicht den ganzen Tag Obst essen will und ein bisschen aufs Geld achtet, der kommt nicht drum herum. Ich habe mich schlichtweg satt gegessen an diesen Genusstötern.

Gallo Pinto?

Was sich so exotisch anhört ist nichts anderes, als ein halber Teller voll gestampfter Bohnen in Reis mit wiederum roten oder schwarzen ganzen Bohnen. Nicht sonderlich gewürzt, gar fade. Nicas essen ihr Nationalgericht überall, und zwar immer. Morgens, mittags, abends. Man isst es zu gegrilltem Fleisch, zu Kochbananen und zu komischem Käse. Nix, da : er ist komisch!

Komischer Käse.

Ein Stück weißes, lappriges "Dingens" das quietscht wenn man drauf beißt. Es ist ein Attentat an alle Gourmes dieser Welt, das sich dieses "Dingens" Käse schimpft. Das gibt es auch überall dabei. In jedem Comedor und bei jedem Frühstück. Ich habe überhaupt keinen blassen Schimmer, aus WAS dieses Teil überhaupt besteht - auf dem Teller landete es trotzdem.

Mais, Mais, Mais!

"Ich esse nie, nie wieder Mais in meinem Leben."-
eine Reaktion auf 7 Monate Zentralamerika.

Mais steckt in Maisfladen (Tortillas), die es zu fast so gut wie jeder Mahlzeit dazu gibt und in Tacos sowieso. Wem das nicht genug Mais ist, der kauft sich noch einen gekochten Mais und isst ihn als Snack aus der Hand. Warum man das dem Mais in ganz Zentralamerika antut und ihn nicht einfach super lecker grillt, ist mir ein Rätsel. Ein noch größeres Mysterium ist es mir, warum man die Teile nicht würzt, aber gut.

Obendrauf gibt es dann noch ein weiteres Nationalgericht : Tamales. Das ist eine in Bananenblatt eingewickelter Maisstampf. Wenn man Glück hat wurde der im Inneren mit reichlich Soße und Gemüse befüllt.

Hast du noch nicht genug Bohnen und immer noch Lust auf Mais, dann isst du Popusas. Die kommen aus El Salvador und sind mal wieder Maisfladen, gefüllt mit Bohnenpaste, die ihr hauptsächlich in Granada probieren könnt. Sie schmecken eigentlich echt gut, wenn man noch keinen Mais Koller hat.

Süße Maisküchlein sind auch beliebt, mir schmecken sie, wie ihr schon ahnt - nicht. Wer jetzt noch Durst auf Mais hat, kann sich am Zentral -Markt den Genuss eines Pinolillo gönnen - ein Kakao-Drink aus Maismehl. Das fühlt sich an, als würde man "Sägespähne extra fein" trinken. Wohl bekommts.

Bananen.

Gekocht, frittiert, als Blätter und alleine. Standard als Beilage ist die gekochte Version, die mir (ausnahmsweise) sehr gut schmeckt. Von allem anderen hatte ich auch hier, nach gewisser Zeit, restlos die Nase voll.


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der gilt schon als alternativ, dieser Teller!



Tier gefällig? Die Nebenbuhler des Gallo Pintos.

Hähnchen.

Und somit das eigentliche Gallo. Kikeriki- Gallo. Mich überkam mal der Frust und ich aß so viel Hähnchen, das jeder Green-Peace Aktivist einfach die Flinte in`s Korn geworfen hätte, und da bin ich nicht einmal stolz drauf. Das Geflügel gibt es auch überall, meist in frittierter Version als Schenkel von der Straße oder am Schnellimbiss. Und siehe da : sie können es. Die Wings schmecken meist super, sind knusprig und frisch. Danke!

Fleisch.

Rind und Schwein stehen auch auf dem Speiseplan Nicaraguas. Sie dienen der Füllung von Taccos oder Burgern. Taccos und Burger gibt es ebenso an Straßenständen, in Leòn stehen beispielsweise Trucks am Abend vor dem Basketballplatz bereit, um von Gallo Pinto abzulenken. Am Abend am Zentralmarkt in Leòn gibt es auch viel Fleisch - immer gegrillt. Das habe ich ein paar mal probiert - die Tiere sind umsonst gestorben, toter als tot und noch toter. Normalerweise stark angesengt, zäh, trocken und ungewürzt.

Fisch.

Gibt es auch, aber eher in Strandregionen. In Las Penitas konnte ich einmal sehr guten, frischen Fisch essen. In Städten gibt es ihn eher weniger, beziehungsweise zumindest in Comedores nicht sehr gut gemacht, oder sehr grätig. Oh man es macht keinen Spaß - esst Fisch am Strand. ;-)

Cerviche.

Nicht gerade DAS Nationalgericht, aber man bekommt es in guten Restaurants oder in Strandnähe sehr häufig. Die Cerviche die ich am Strand von San Juan del Sur gegessen habe, war recht gut.

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ordentlich Hähnchen zur Abwechslung



Auch den Koller von Gallo Pinto?
- Die Ausweichmanöver :

Gott sei Dank liefert dieses Land ein paar gute Alternativen. Wenn man sie auch suchen muss, so sind sie es absolut wert.

Frische Früchte.

Ok, die muss man nicht suchen. Es gibt sie an jedem Markt : Bananen, Mangos, Avocados und weitere richtig frische Südfrüchte. Bunt, zuckersüß und saftig dienten sie mir immer wieder als Stärkung oder Nascherei für zwischendurch. Ganz so vielfältig wie Guatemala oder Costa Rica fand ich die Auswahl nicht, aber dem Geschmack tat das keinen Abbruch.

Bäckereien.

Dulce con Leche - Süßes mit Milch gibt es in jeder Panderia, besonders Milchbrötchen aß ich ganz gerne mal zwischendurch. Die Gebäckstücke und Kuchen sind leider kein Vergleich zu unserem Naschwerk, aber es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel die Bäckerei Pan y Paz in Leòn - die haben unter Anderem tatsächlich frisches französisches Baguette. Wer Heimweh hat, iss hier richtig.

Pizza!

Die geht überall und die kann man nicht vermasseln, die schmeckt sogar kalt! Gnade dem Herrn, danke für weltweit Pizza für Jedermann.

Restaurants höherer Preiskategorie.

Der Luxus- Ausweich schlechthin. Taccos bleiben zwar Taccos, überbackene Nachos bleiben Nachos aber was soll`s, vielleicht schmeckt`s hier besser. In Bananenblätter ist der Mais aber auch eingewickelt. Westliche Küche findet man vereinzelt auch mal, z.B. mediterrane Küche. Darüber kann ich nichts sagen, und wie gesagt : sie sind viel seltener als wir das gewohnt sind. Auch für den kleinen Luxus lohnt sich der Besuch eines Strand- Restaurants. Lecker, frischer Fisch und eine wahnsinns Abwechslung!

Selbst kochen.

Zu guter Letzt der bestgemeinteste Tipp. Wir finden vielleicht nicht alle Zutaten die wir möchten, aber eine Nudelpfanne mit frischem Gemüse lässt sich wirklich überall zubereiten! Und es gibt leckere Tomatensoßen und Chillisoßen in den größeren Supermärkten! Ich hatte sogar das Vergnügen, Semmelknödel mit Champignonsoße kochen zu können - wir hatten zwar den halben Tag gebraucht, um die Zutaten zu bekommen, geschmeckt hat es aber sensationell!
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die beste Alternative : frische Früchte!

Warum Gallo Pinto und ich trotzdem Freunde sind.

Ganz einfach : der Energie und des Geldes wegen.
Ich war etwas mehr als einen Monat Volunteer bei den Outdoor- Touristenguides von Volcanoday. Einen Monat lang war ich gefühlt nur am wandern und am Rennen - immer zum nächsten Vulkan - zum nächsten Touristenevent. Es war die coolste Zeit meiner Reise, aber ich war wirklich immer in Action, immer am sporteln. Um zu kochen hatte ich meist keine Zeit, ein Frucht-Frühstück war mir viel zu wenig und mein Kopf war am Abend mit Anderem als Essen beschäftigt. Burgerbuden sind mir zu fettig und brachten mich mehr down als "auf Trapp". Zudem hatte ich das Glück immer mit Locals unterwegs zu sein, was ebenso unweigerlich zu Nica- Essen führt. Außerdem sind die nationalen Gerichte in den Comedores und Streetfood unschlagbar günstig.

Gallo Pinto - das Sportleressen?

Schnelle Energiezufuhr war das A und O nach den langen Vulkantouren - und Gallo Pinto damit mein bester Freund. Es liefert sofort Kolenhydrate für den Stoffwechsel und Eiweiß für die restlos überanspruchten Muskeln und, besonders wichtig : es füllt. Es macht einfach pappsatt. Man bekommt es innerhalb fünf Minuten in einem der zisch Comedors. Kochbananen geben der Sache etwas Geschmack und etwas Gemüse dazu ein paar Vitamine.

Auch vor den Touren war das mein Frühstück : Gallo Pinto, Ei, Kochbanane, Avocado und 2 Bananen hinterher - Desayuno typico. Ich kann mir zu 100% leckerere Frühstückskombis vorstellen aber keines, das mich besser auf einen Vulkan vorbereiten könnte. Es ist das absolute Kraft-Frühstück, soviel ist klar. Mein Körper lechzte quasi danach.

Am Abend ist dann das Hirn meistens sehr müde gewesen und oft, ganz oft, stand ich vor dem Buffet -Streetfood am Marktplatz und sagte ganz automatisch mein Sprüchlein auf :

"Gallo Pinto con Platanos y un poco del carne por favor!"
Gallo Pinto

traditioneller Teller vom Abendbuffet

Last but not least...

...ist es mir wichtig, das ihr diesen Beitrag als witzige Satire über eine Antiliebe wahrnimmt, und nicht zu viel Gewicht reinsteckt. Ich habe frei Schnauze geschrieben und letzten Endes ist es mir eigentlich egal. Denn obwohl ich eine Liebhaberin des guten Essens bin und normalerweise sehr viel Abwechslung brauche, ist es mir gar nicht so wichtig.

Hier und da schreit eben meine verwöhnte Seite, dass ich unmöglich jemals wieder Gallo Pinto essen werde. Die abenteuerlustige Seite, die Essen (gesunder Weise) tatsächlich als Enegielieferant sieht, freut sich bereits auf die nächste Portion ungewürztes Gallo Pinto. Ich werde, wann immer ich die Chance habe mein Lieblingsland nochmal für länger bereisen zu können, zu aller erst den Sägespähne- Mais - Drink kaufen gehen und ich werde es lachend tun. Einfach weil das nun einmal Nicaragua ist, und ich es liebe.

Gibt es hier eigentlich Menschen denen das Essen super geschmeckt hat? Ich bin gespannt - lasst mir doch einen Kommentar da!
Bis bald - eure Anke.

Grundnahrungsmittel Nummer Eins :

Universum oder wem auch immer sei Dank, ist alles Aufgezählte hinfällig, nicht so wichtig und schlichtweg egal. Denn Nicaragua wurde zum besten Land für den Zuckerrohr-Anbau auserwählt und hier wird flüssiges Gold hergestellt, der alles Gallo Pinto wieder gut macht :
Flor de Cana!

Dieser Rum ist wie vieles aus Nicaragua, aus irgendwelchen Gründen nicht an der Weltspitze wie Karibiksorten - aber er ist erstklassig. Über 100 Medallien soll er bereits eingebracht haben. Salud!
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Flor de Cana, geschossen und getrunken auf meinem Lieblingsvulkan Telica

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Eco - hipp - naturbelassen - stressfrei. Playa Las Penitas!

Ich freue mich über deine Erfahrung zum Thema!